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Es ist früher Nachmittag. Schräg vor uns liegt einige Fuß tiefer das satte Grün der kurz geschorenen Landebahn und unsere DA40 setzt sanft auf der 14 in Höganäs auf. Wir rollen über die kreuzende 06/24 zum reichlich dimensionierten Vorfeld. Wir stellen uns neben eine alte Piper und schauen uns erst einmal um. Die Sonne scheint auf den gepflegten Rasen der Runways und des großen Vorfelds und es liegt eine behagliche Ruhe über dem Platz. Die Höganäs-Fahne bewegt sich kaum und hängt schlaff herunter. Außer ein paar „Schraubern“ in den Hallen ist kein Mensch zu sehn. Der Windsack schaukelt leicht hin und her, das Lande-T scheint schon lange niemand mehr bewegt zu haben. Über uns kreisen noch ein paar Greifvögel und vom nahen Meer tönt der letzte Hall einer Schiffssirene.

 

 

Wir sind zum „Flying Fish“ gekommen. Der Fisch fliegt natürlich nicht, dafür kommen die Piloten, die in den Sommermonaten jeden Dienstag zu diesem Event einfliegen. Und nicht nur die; auch aus der näheren Umgebung kommen flugbegeisterte Leute und Feinschmecker.

Die Türen des Vereinsheims sind verschlossen und so warten wir auf den von der Sonne vorgewärmten Bänken. Wenn wir nicht wüssten, auf einem bekannten Flugplatz gelandet zu sein – es könnte auch der Rasen eines Luftkurorts sein. Es brummt in der Luft. Inzwischen sind auch unsere Freunde mit ihrer C172 eingetroffen. Jetzt stehen schon drei Maschinen auf der Wiese.

Mit schlurfendem Schritt kommt Lars Eriksson (Lasse), die gute Seele des Platzes, mit seinem Schlüsselbund zu uns heran. Wir waren telefonisch angemeldet und werden jetzt ganz herzlich begrüßt. Das Funkgerät wird aktiviert und wer gerade daran vorbei kommt, bedient die jetzt eintrudelnden Flieger. Es ist noch etwas Zeit bis zum Event des Abends.

Die Infrastruktur ist perfekt. Abstellflächen so weit das Auge reicht, ein Clubhaus mit Küche, Übernachtungsmöglichkeiten und gemütlichem Aufenthaltsraum, ein Schuppen mit Fahrrädern zur freien Benutzung, und natürlich alles für die perfekte Flugvorbereitung.

 

 

Wir beziehen unsere vorbestellten Zimmer mit Doppelstockbetten. Unsere Cessna-Freunde mögen es rustikaler. Sie schlagen unter der rechten Tragfläche ihr Zelt auf.

Langsam beginnt der Platz zu leben. Es brummt in der Luft. Am Boden nimmt die Geschäftigkeit zu. Die Funke quäkt etwas unverständliches, in der Küche wird aufgeräumt. Aus dem Schuppen wird der Grill geholt mit allen Utensilien: Grillkohle, Beistelltische, Bestecke aller Art, Kästen mit (alkohol- freien) Getränken. Es werden Bleche mit Fischen herangetragen, Brot, Saucen, Gewürze.

Das Event nimmt seien Lauf: „Flying Fish“. Im Sommer jeden Dienstag. Ein fester Termin für Piloten und Begeisterte der Umgebung. Der Funker hat zu tun. Es brummt in der Luft und aus allen Himmelsrichtungen kommen die Fluggeräte angeschwebt. Auf der Abstellfläche wird eine zweite, bald eine dritte Reihe aufgemacht. Aus den Cockpits klettern teils altgediente Flugzeugführer aus ihren fast so alten Flugmaschinen. Was hier in kürzester Zeit gelandet ist, kann einer kleinen Airshow absolut Konkurrenz machen.

 

 

Es ist alles vertreten: Oldtimer, neue Flugzeuge, Uls, Einmots, Zweimots, Hochdecker, Tiefdecker, Motorsegler. Eine schwedischer Lizenzbau einer Bücker Jungmann, eine englische 2-mot aus den 1940er Jahren.

Und es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Ich habe nicht mitgezählt, aber es müssen so an die 30 Flugzeuge gewesen sein.

Und nicht nur Flieger. Inzwischen hat sich auch noch eine andere Oldtimerfraktion eingefunden. Mit offenem Verdeck knattern ein Chevrolet von 1928 und ein Hansa LLoyd aus dem Jahr 1914 heran. Vorn die Andrehkurbel, seitlich Petroleumlampen – ein echtes Museumsstück. Bereitwillig und mit einem gewissen Stolz geben die Piloten Auskunft und Erklärungen über ihre gepflegten Flugund Fahrzeuge.

 

Vom Grill weht bereits ein leckerer Duft herüber. Der Grillmeister hat mit seiner Arbeit begonnen. Junge Heringe, ausgenommen und auseinander geklappt, mit Senfmarinade bestrichen, brutzeln auf dem heißen Blech. Auf einer Scheibe dunklem Vollkornbrot, mit Zwiebeln und Gewürzsaucen sind die Heringe eine wahre Delikatesse. Jeder merkt sich, was er gegessen und getrunken hat und zum Schluss wird zum Selbstkostenpreis abgerechnet.

 

Die Sonne neigt sich langsam dem Horizont entgegen. Die Piloten schauen auf die Uhr und auf den Sonnenstand. Es wird Zeit. Sie wollen noch im Hellen zurück zu ihren Heimatplätzen. Und wieder tritt auf dem Platz Geschäftigkeit ein. Einzeln fliegende Piloten oder die Crews zwängen sich auf die Sitze, Motoren werden angelassen, das Funkgerät rauscht und quäkt, und die ersten Maschinen rollen zum Start. Und so schnell wie sie am späten Nachmittag gekommen waren, sind sie jetzt wieder alle weg. Innerhalb von einer Viertelstunde herrscht wieder Ruhe auf dem Gras, wir sind wieder fast allein.

Die Sonne ist untergegangen, die Grillkohle glimmt nur noch in einem schwachen dunkelrot, ein warmer Luftzug weht über den Platz und es ist Zeit für einen Sundowner. Wir haben vorgesorgt. Mit den mitgebrachten Bieren können wir uns bei den verbliebenen Einheimischen beliebt machen.

 

Die Morgensonne scheint in die Baracke, wir denken ans Frühstück. Die Küche ist gut ausgestattet und man kann sein eigenes Frühstück zubereiten. Wir wollen lieber im Ort essen.

 

Unser Frühstück im Ort. Die Doppelstockbetten in unserer Unterkunft.

 

Im Schuppen neben der Flugplatzhütte, stehen jede Menge Fahrräder. „Sucht euch ein passende Rad aus und radelt in die Stadt!“ Machen wir. Es geht ein paar Kilometer über die Landstraße ins Zentrum von Höganäs. Am Marktplatz bietet die Bäckerei Kakhuset ein Frühstücksbuffet an, das dann draußen unter ausladenden Linden genossen werden kann.

Bis zum Rückflug haben wir noch ein paar Stunden Zeit. Wir radeln zum Hafen. Neben der großen Marina gibt es auch noch eine kleine Badeanstalt. Mittendrin ein Ponton, von dem die schönsten Kopfsprünge zur Erheiterung der Umherstehenden ausgeführt werden können.

 

Es wird Nachmittag, Zeit für die Vorbereitungen zum Rückflug. Im Flugvorbereitungsraum können Wetter und Notams abgerufen und die Flugpläne aufgegeben werden. Wir legen unsere Schwimmwesten an, da es ca. 30 min. über die Ostsee geht. Bis dahin heißt es noch recht präzise zu navigieren. Der Flugweg verläuft hier im Grenzgebiet zwischen Schweden und Dänemark und kreuzt die An- und Abflugsektoren der Verkehrsflughäfen Malmö und Kopenhagen. Es wimmelt von Charly-Lufträumen, die meist bei 2500 ft, teilweise sogar bei 1500 ft. beginnen. Die freundlichen Damen und Herren von Sweden CTL und Sturup APP/TWR (Malmö) geleiten den Flieger sicher durch das unwegsame Gebiet.

 

Im Flugvorbereitungsraum können Wetter und Notams abgerufen und die Flugpläne aufgegeben werden. Die eindrucksvolle Öresundbrücke.

 

Am einfachsten folgt man der Küstenlinie. Wir passieren rechts die eindrucksvolle Öresundbrücke, die Straßenverbindung zwischen Kopenhagen (Dänemark) und Mölmö (Schweden). Die Stadt Malmö kommt in Sicht, links das Stadtgebiet mit Hafen und dem architektonisch interessanten Wohnhochhaus „Turning Torso” des spanischen Architekten Santiago Calatrava.

Wir verlassen die schwedische Küste bei Trelleborg mit der riesigen Autoverladestation.

Es folgt eine halbe Stunde Wasserflug und es bleibt die Erinnerung an zwei Tage mit freundlichen Menschen, interessanten Gesprächen und natürlich dem köstlichen Geschmack des Grillfischs im Mund.

 

Im Jahr 2016 fand der „Flying Fish“ jeden Dienstag in den Monaten Juni, Juli und August statt.

 

Weitere Informationen: NSF Nordvästra Skånes Flygklubb

 

 

Autor Bernd Clemens

Über den Autor

Bernd Clemens ist erfahrener Privatpilot mit Nachflugberechtigung. Über die Jahre ist er viel in Europa, Afrika, den USA und Asien umhergereist. Daher kann er in seinen Reiseberichten auf viel Wissen zurückgreifen. Derzeit ist er mit einer Diesel-DA40 unterwegs.




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