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Für die letzte Etappe unseres Rückfluges hatten wir als Zwischenziele Kristiansand an der Südspitze Norwegens und Randers in Dänemark ausgewählt.

Nach dem uns der Busshuttle am Freitagmorgen wieder schnell und zuverlässig zum Flughafen Bergen/Flesland gebracht hat, gilt es nun einen Weg zu unserer Maschine ausfindig zu machen. Erschwerend kommt hinzu, dass weit und breit kein GAT, Creweingang oder das sonst auch auf manchen Flughäfen zu findende schwarze „C“ auf gelbem Hintergrund zu finden ist. Auch das Flughafenpersonal kann unsere Fragen, wo wir denn die Abstellgebühren zu zahlen hätten und wie wir auf das Vorfeld gelangen würden, nicht beantworten, geschweige denn mit dem Begriff „General Aviation“ etwas anfangen.
Nach einigem Hin und Her klärt man uns dann per Telefon auf, dass die Abstellgebühren jetzt erst einmal egal seien und später Online beglichen werden könnten und, dass wir uns zum Sperrgepäckausgang begeben sollten, da uns dort jemand abholen würde.
Dass die Landegebühren online bezahlt werden können, ist uns ja schon länger bekannt – wir hatten ja auch eine weekly season card. Wo jedoch Abstellgebühren bezahlt werden können, ist uns bis heute nicht klar. Nicht nur in Bergen, sondern auch auf so ziemlich allen anderen Flugplätzen, die wir angeflogen hatten, wusste man nicht ganz, wie man mit uns umgehen sollte. Oft waren wir zum Beispiel auf der Suche nach Flughafenpersonal, dem wir nachweisen wollten, dass wir bereits unsere Landegebühren gezahlt hatten; wir wollten ja nicht im Nachhinein Probleme bekommen.
Doch nun zurück zum Sperrgepäckausgang: Unser Shuttle zum Flugzeug wartet schon: Ein gelber Gelenkbus - ziemlich neu, aber vor allen Dingen ziemlich groß für die vier Personen, die in so eine Cessna 172 passen.
Tanken und Abflug verlaufen reibungslos. Auf der nun folgenden Strecke nach Kristiansand ist noch ein Überflug des Lysefjords eingeplant. Dieser Fjord – wohl einer der bekanntesten Fjorde - macht nicht nur wegen seiner Länge von 40 Kilometern einen imposanten Eindruck, sondern wohl ganz besonders wegen seiner mächtigen, bis zu 600 Meter hohen Felswände. Die steilen Wände, die an manchen Stellen fast senkrecht empor ragen, sorgen aus der Luft für ein eindrucksvolles Bild, das uns sicherlich noch lange als eines der Highlights dieser Tour in Erinnerung bleiben wird. Wir folgen dem Verlauf des Fjordes ein paar Kilometer, bevor wir wieder in Richtung Kristiansand drehen.

Während der letzten halben Stunde können wir unter uns hauptsächlich die bereits bekannte, mit vielen kleinen Seen und Tümpeln übersäte, kahle Felslandschaft beobachten. Wie auch schon auf dem Weg von Oslo nach Fagernes stellen wir uns die Frage, wo und wie wir wohl im Falle eines Falles notlanden könnten. Meist bleibt als einzige Möglichkeit nur eine Notwasserung im geschätzt fünf Grad kalten Wasser, da die Felsen mancherorts zwar relativ glattgeschliffen scheinen, auf ihnen aber überall unzählige kleine und große Steine und Felsbrocken zu finden sind, die eine „sichere“ Notlandung unmöglich machen würden.

Unsere Zwischenlandung verläuft absolut problem- und ereignislos. Das zweite Leg des Tages hat es allerdings etwas in sich. Wir entscheiden uns kurz nach Erreichen von FL75 dafür, es gleich bis nach Schönhagen zu versuchen. Die Radar- und Satellitenbilder zeigten uns zuvor eine Regenfront, die gerade die dänische Westküste erreicht hatte und nun weiter nach Osten zieht. Unsere Flugstrecke sollte also zumindest vom gröbsten nicht betroffen sein und ein Weiterflug auf FL75 möglich sein. Auch das Wetter aus Lübeck meldet lediglich eine scattered-Bewölkung in 2300 Fuß.

Gerade als wir unser ursprüngliches Ziel Randers hinter uns lassen, zwingen uns die ersten Wolken zum Sinken. Um es kurz zu machen: Der restliche Flug über Dänemark ist alles andere als gemütlich und verläuft nicht wie geplant. Viele Umwege durch Ausweichen von starken Regenschauern, die sich offensichtlich wesentlich schneller entwickelten als wir es erwartet hatten und ständiges Auf- und Ab im Luftraum G, um von Wolken frei zu bleiben, führen zu einer erneuten Planänderung. Zwar würde der verbleibende Kraftstoff noch für den Weiterflug nach Schönhagen ausreichen, jedoch wäre bei einem Direktflug nicht genügend Reservekraftstoff vorhanden, sodass wir uns für eine Zwischenlandung in Rostock/Laage entscheiden.
Der letzte Flug verläuft dann wieder unspektakulär und ziemlich ruhig. Wir drei sind in Gedanken noch in Norwegen und lassen die - wie immer - viel zu kurze Tour Revue passieren.

Unser Fazit der Reise
Norwegen 2015 wird uns lange in Erinnerung bleiben. Hauptsächlich natürlich wegen der atemberaubenden Landschaft, aber auch wegen der vielen kleinen Herausforderungen, die auf solch einer Reise zu bewältigen sind. Alles in allem haben wir viel gesehen und erlebt und konnten wie durch ein Wunder unsere Vorplanungen (von ein paar kleinen Umwegen abgesehen) einhalten.
Wir haben aber auch gemerkt, dass es nicht selbstverständlich ist, diese Strecke VFR in solch einer kurzen Zeit zurückzulegen. Nicht nur einmal war das Wetter kurz davor zum „no go“ zu werden. Auch die Tatsache, dass wir in Bergen und auch in Oslo nicht viel mehr als ein Restaurant und eine Fußgängerzone gesehen haben, zeigt uns (was wir schon vorher befürchtet hatten), dass für einen Stadtbesuch mindestens zwei Übernachtungen eingeplant werden müssen.
Fliegerisch war die Tour keine große Hürde, hat uns aber bei einer Gesamtflugzeit von rund 16 Stunden und einer Gesamtstrecke von 1400 NM (ca. 2600 km) wieder ein bisschen mehr Erfahrung gebracht.
Die eigentliche Herausforderung stellte jedoch die Vorplanung dar. Hier war insbesondere das Einlesen in die Zollregelung der einzelnen Länder eine langwierige und nervenaufreibende Angelegenheit, die zwar nicht umsonst war, aber für die sich zumindest in Dänemark und Schweden keiner zu interessieren schien. Ein weiterer größerer Problempunkt - wie auch schon im ersten Teil dieses Blogs zu lesen war - war die geringe Dichte von Flugplätzen mit AVGAS in Norwegen. Da wir uns früh genug entschieden hatten, nur zu dritt zu fliegen, konnten wir die Maschine immerhin stets volltanken und unsere Reichweite so maßgeblich erhöhen. Ein Flug mit vier Personen hätte uns so vor weit größere Probleme gestellt.

Wir hoffen, euch hat es Spaß gemacht, uns auf unserer Tour (auch im Nachhinein) begleiten zu können. Möglicherweise haben euch ein paar Tipps und Hinweise geholfen und vielleicht haben wir euch ja sogar dazu gebracht, auch nach Norwegen zu fliegen.




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