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Allgemeines

Die meisten Jugendlichen beginnen mit der Umsetzung ihres Berufswunsches bei der Lufthansa. Zuvor gilt es, einen Eignungstest beim DLR (Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt) zu bestehen. Für diesen, aus zwei Teilen und drei Tagen bestehenden Test (1. BU=Berufsgrunduntersuchung, also die Eignung für den Beruf im Allgemeinen; 2. FQ=Firmenqualifikation, die Eignung für die spezifischen Anforderungen bei der Lufthansa), gibt es verschiedene Möglichkeiten der Vorbereitung. Die meisten erwerben entsprechende Literatur und bereiten sich im Eigenstudium vor. Etwa 20–30% besuchen ein Vorbereitungsseminar, welches zu Preisen zwischen 600 und 2200 Euro angeboten wird. Diese Seminare unterschiedlicher Dauer und Qualität erhöhen die Chancen erheblich, um die hohen Anforderungen beim DLR-Test zu bewältigen. Etwa 9% der Bewerber bestehen die Auswahltage und beginnen ihre Ausbildung bei der größten deutschen Airline. Hier werden sie jedoch nur noch für den Erwerb der MPL (Multi-Crew-Pilot-Licence) ausgebildet.

 

Voraussetzung für die Ausbildung

  • fließende Deutsch- und Englischkenntnisse

  • Allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife (Fachhochschulreife reicht nicht aus), kein N.C.

  • Alter zum Bewerbungszeitpunkt mind. 17 Jahre bis max. 28. Geb. (für den Lehrgang) bzw. max. 26. Geb. (für das Studium)

  • gute körperliche Konstitution

  • Körpergröße zwischen 1,65 und 1,98 m

  • gutes Sehvermögen (Grenzwerte für Refraktionsfehler +/-3 Dioptrien, für Astigmatismus 2 Dioptrien)

  • Staatsangehörigkeit eines EU-Landes oder eine Aufenthaltsberechtigung oder eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis für die Bundesrepublik Deutschland

  • Besitz eines uneingeschränkten Reisepasses

  • Verantwortungsbewusstsein, Disziplin, Zuverlässigkeit und Teamfähigkeit

  • überzeugende Darlegung der Berufsmotivation

 

Bewerbungsverfahren

Die Bewerbung bei der Lufthansa erfolgt online. Es müssen drei Fragen zur persönlichen Motivation beantwortet werden. Hier ist sogleich zu beachten, dass man stets wahrheitsgetreu antworten sollte, da die gleichen oder ähnliche Frage öfter gestellt werden und man sich in unnötige Bedrängnis begibt, sollte man bei der Beantwortung etwas "geschummelt" haben.

Sollte man diese Fragen zufriedenstellend beantwortet haben, so wird man zur Berufsgrunduntersuchung nach Hamburg eingeladen. Im ersten Bewerbungsschreiben hat man die Möglichkeit anzugeben, ab welchem Zeitpunkt man für die BU zur Verfügung steht.

 

Die Berufsgrunduntersuchung (BU)

Die BU findet in Hamburg beim DLR an einem Tag statt. Hier wird der Bewerber auf die grundlegenden Fähigkeiten für den Pilotenberuf überprüft. Es müssen mehrere computerbasierte Tests bestanden werden, wie der Mehrfachbelastungstest.

Weitere Tests umfassen

  • die Kopfrechenfähigkeit

  • das Beherrschen der englischen Sprache und

  • das technische und physikalische Grundverständnis.

Wie bereits eingangs erwähnt, gibt es diverse Möglichkeiten sich auf diese Tests vorzubereiten,

da ein Bestehen ohne ausreichendes Training sehr unwahrscheinlich ist.

Als Vorbereitungssoftware bietet sich z.B. der Skytest der Firma Aviation Media & IT GmbH für rund 60€ (nur BU/GU) und die Software der Firma Vimana, die es für den stolzen Preis von 150€ gibt, an.

Wer Wert auf eine intensivere Vorbereitung legt, hat die Möglichkeit ein Vorbereitungsseminar zu absolvieren. Hier ist jedoch Vorsicht geboten, denn "intensiviere Vorbereitung" heißt nicht gleich "bessere Vorbereitung". Die Qualität schwank zwischen den verschiedenen Anbietern sehr stark. Hier sollte man sich, sofern denn möglich, etwas unter Bewerbern, die die BU bereits bestanden haben, umhören, denn den mancherorts kursierenden Statistiken ist nicht unbedingt zu trauen.

Anbieter von Seminaren sind u.a.:

  • S&P Training in Hamburg

  • ATTC in Frankfurt und München

  • ToPilots in Fürstenfeldbruck

Die Ergebnisse werden nach kurzer Zeit per Post zugesandt. Sollte der Bewerber die BU bestanden haben, so gelangt er zur nächsten Stufe: der Firmenqualifikation.

 

Die Firmenqualifikation (FQ)

Die FQ findet ebenfalls beim DLR in Hamburg, allerdings an zwei Tagen, statt. Hier wird die charakterliche Eignung des Bewerbers überprüft. Neben Gesprächen mit Psychologen sind Aufgaben in Gruppen zu bewältigen.

Wer den Fragen der Psychologen standgehalten hat, wird am nächsten Tag am Simulator gefordert. Hier werden verschiedene Tests durchgeführt, um den Kandidaten auf seine fliegerischen Fähigkeiten zu überprüft.

Auch hierfür kann sowohl Vorbereitungssoftware erworben als auch an Vorbereitungsseminaren teilgenommen werden. So ist z.B. für das Gesamtpaket BU- und FQ-Vorbereitung mit rund 2000€ zu rechnen.

Sollte der Bewerber den Ansprüchen der Psychologen nicht genügen, so wird ihm dies noch am ersten Tag mitgeteilt und scheidet somit direkt aus.

Bei einem positiven Durchlaufen der FQ, wird der Bewerber zur fliegerärztlichen Untersuchung eingeladen.

 

Ablauf der Ausbildung

Der erste Teil der theoretischen Ausbildung wird bei der Verkehrsfliegerschule in Bremen absolviert und dauert ungefähr ein halbes Jahr. Abgeschlossen wird dieser Ausbildungsabschnitt mit internen Prüfungen. Nach einer gewissen Wartezeit geht es weiter in die USA, in den Bundesstaat Arizona. Hier wird auf dem Muster Beech Bonanza die praktische Ausbildung durchgeführt.

Gleichzeitig wird hier, obwohl eigentlich für die MPL nicht erforderlich, die PPL erworben. Die Prüfungen werden u.a. von Prüfern mit deutschen Berechtigungen abgenommen, sodass das Fliegen in Deutschland auch ohne aufwendiges Umschreiben möglich ist.

In Arizona, genauer in Goodyear, wird zudem die Instrumentenflugberechtigung erworben.

Danach geht es zurück nach Bremen. Ein weiteres halbes Jahr muss hier die Theorie gelernt werden. Dieser Part wird mit einer Prüfung beim Luftfahrtbundesamt abgeschlossen.

Hiernach wird die praktische Ausbildung, auf momentan fünf Cessna Citations, weitergeführt. Nach Abschluss der fliegerischen Ausbildung in Bremen, beginnt die Musterberechtigung im Simulator. Der Flugschüler wird hier speziell auf dem Muster geschult, für das er später im Liniendienst eingesetzt werden soll.

In einer privaten Flugschule ist die Ausbildung mit dem Erwerb der ATPL beendet; bei der MPL-Ausbildung ist der Inhaber jedoch an bestimmte Vorgaben gebunden. So ist der Erwerb und die Erlaubnis die Rechte der MPL auszuführen an die Airline gebunden. Ein Wechsel zu einer anderen Airline ist somit nicht ohne Weiteres möglich.

Doch zurück zur Ausbildung bei der Lufthansa: Ist das Typerating, das im Moment für die Airbus A320-Familie, den Embraer E-Jet und noch für die Boeing B737 durchgeführt wird, beendet, so ist man im Besitz einer gültigen MPL. Nun folgt das Linetraining, bei dem der Flugschüler bereits auf Linienflügen, allerdings unter Aufsicht, eingesetzt wird. Erst nach einer gewissen Flugstundenanzahl als Copilot wird die MPL in eine ATPL umgeschrieben.

 

Die Finanzierung

Der finanzielle Eigenanteil der Ausbildungskosten bei der Lufthansa beläuft sich auf 60.000€, was ungefähr einem Drittel der Gesamtkosten entspricht. Die Schulungskosten werden von der Lufthansa vorfinanziert. Mit der Tilgung des Darlehens beginnt man somit erst vier Monate nach der erfolgreichen Aufnahme des Arbeitsverhältnisses. Sollte man auch nach fünf Jahren keine Anstellung bei der Lufthansa bekommen, werden einem die Ausbildungskosten erlassen.

Die Kosten für die Unterhaltskosten während der Ausbildung muss man selbst aufkommen. Es wird jedoch ein zusätzlicher Kredit für diese Kosten in Höhe von bis zu 25.000€ angeboten.

 

Weitere Informationen: