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Nachdem es uns in den letzten Jahren immer wieder in den Norden – hauptsächlich nach Schweden – zog, wollen wir nun wärmere Gefilde erkunden. Zwar ist es erst April, doch unsere Hoffnungen dem nicht enden wollenden Winter in Deutschland zu entfliehen, sind groß. Ziel für uns und unsere C172 ist die kroatische Halbinsel Istrien. Ganz konkret geht´s nach Pula im Süden der Halbinsel.

 

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Unser Weg soll uns durch den tschechischen Luftraum nach Dobersberg und dann weiter über Graz zu unserem Ziel führen. Wegen der eingeschränkten Zuladung unserer 172-er, die uns zu einigen Tankstopps zwingt, wollen wir außerdem in Dresden landen und das Wochenendspecial ausnutzen. Zur Sicherheit hatten wir bei einigen tschechischen Flugplätzen angerufen und uns erkundigt, ob denn AVGAS zur Verfügung stünde.

 

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Das Wetter allerdings zeigt uns schon recht früh, dass weitere Zwischenlandungen nicht nötig sein werden. So wollen wir etwas umplanen und den in der Höhe stärker werdenden Rückenwind ausnutzen. Kurz nach dem Start in Dresden erbeten wir bei Praha Information um Durchflug der TMA Prag in Flugfläche 75 direkt über das OKL-VOR. Wir werden zu Praha Radar geschickt und der nette Lotse genehmigt uns den Durchflug – sicherlich nicht zuletzt wegen des geringen Verkehrsaufkommens. Und so genießen wir in den nächsten 30 Minuten die Ruhe im Funk und den Blick auf Prag.

 

kroatien10Im Anflug auf Dobersberg rüttelt es uns dann aber ganz schön hin und her. Schnell tanken und dann geht´s weiter nach Graz, wo wir auch deswegen landen müssen, weil Kroatien nicht Mitglied im Schengen-Verbund ist. Das heißt für uns: Grenzkontrolle vor dem Start in Graz. Zum Glück muss diese aber in Graz nicht vorher angemeldet werden und ist innerhalb einer Minute erledigt. Vom Vorfeld aus können wir – wie auch schon vor der Landung in Graz - das für uns „Flachländler“ ungewohnte Alpen-Panorama bestaunen.

Unsere weitere Flugstrecke führt uns über die Strecken „VFR1“ und „VFR6“ quer durch Slowenien. Da Föhnwetterlage herrscht, ist es jetzt unglaublich diesig. Wir schätzen die Flugsicht in unserer Reiseflughöhe auf ca. zehn Kilometer. Kurz vor dem Pflichtmeldepunkt ALIVO werden wir vom slowenischen Lotsen an Pula Approach weitergegeben. Doch hier antwortet keiner, und uns werden – zurück auf der alten Frequenz und noch im slowenischen Luftraum – threesixties aufgebrummt. Glücklicherweise bleibt es bei einem Vollkreis bis wir in den kroatischen Luftraum einfliegen dürfen.

 

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In Pula zeigt sich, was es heißt, außerhalb der Hauptsaison nach Kroatien zu fliegen: Unsere 172-er ist die einzige GA-Maschine auf dem Vorfeld. Man versichert uns aber, dass die geschätzt 30 Abstellpositionen in Juni und Juli gelegentlich nicht ausreichen würden. Im verwaisten Terminal wartet dann nur der Mitarbeiter der Mietwagenfirma auf uns, um uns einen brandneuen Wagen zu überreichen. Wir fahren in die Innenstadt und genießen den Abend bei doch recht kühlen 18 Grad und Cevapcici.

 

Unsere Unterkunft – ein Apartment für vier Personen – haben wir wieder über die Webseite Airbnb gebucht und damit einige Taler im Geldbeutel gespart. So übernachten wir in einer modernen Wohnung mit offener Küche und Whirlpool für insgesamt 345,-€ für vier Übernachtungen - also 86,25€ pro Person.

 

Am nächsten Morgen stehen wir um sechs auf. Es soll nach Venedig gehen – die Anmeldung für die Einreise hatten wir schon am vorherigen Abend ausgefüllt – doch das Wetter spielt nicht mit. Das TAF für den Flughafen Venedig sagt Sichtweiten von 4000 Metern und eine Wolkenuntergrenze von 2000 Fuß voraus. Das ist uns dann bei einer Flugzeit von knapp 40 Minuten über Wasser etwas zu dürftig. Immerhin wollen wir ja auch aus der Luft etwas von Venedig sehen. Wir entscheiden uns also dazu, den Nationalpark „Plitwitzer Seen“ zu besuchen. Da die Flugplatzdichte in Kroatien relativ gering ist, bleibt uns nichts anderes übrig als unseren Mietwagen auf der Strecke (immerhin rund 400 Kilometer in eine Richtung) ein bisschen einzufahren. Der Nationalpark ist eine der ältesten UNESCO-Weltnaturerbe-Stätten und besteht aus mehreren Seen und Wasserfällen unterschiedlicher Größe, die in einer Art Canyon gelagert sind.

 

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An Tag drei der Reise, wollen wir es nochmal nach Venedig versuchen. Doch auch heute durchkreuzen schlechte Sichten und eine niedrige Wolkenuntergrenze unseren Plan. Wir beschließen, unser Ziel zu ändern und zur südlich von Pula gelegenen Insel Mali Losinj (LDLO) zu fliegen. In Pula macht man uns darauf aufmerksam, dass wir einen Flugplan aufzugeben hätten, wenn wir die Pula-CTR verlassen wollen. Das schien uns wohl durch die Lappen gegangen zu sein; stellt uns aber vor keine größeren Herausforderungen, da wir unsere beiden Flugpläne (Hin- und Rückflug) noch ganz klassisch und persönlich bei einem Mitarbeiter des AIS direkt in Pula aufgeben können. Welch Service! Auch hier hilft uns mal wieder Skydemon, das für uns zu einem treuen Wegbegleiter geworden ist und sich gerade in Situationen, in denen eine kurzfristige Planänderung notwendig ist, sehr bewährt. So können wir Flugzeit und alle anderen relevanten Daten recht schnell angeben und sind schon 30 Minuten später in der Luft.

20 Minuten Flugzeit und einen traumhaften Anflug später werden wir – zu unserem Erstaunen – im kleinen Flugplatzgebäude von Losinj, das eher einem Saloon, denn einem Terminal anmutet, von zwei Polizisten nach unseren Dokumenten gefragt. Irgendwie müsse man wohl Arbeitsplätze schaffen, denken wir uns.

 

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Wir erkunden die felsige Küste der Insel zu Fuß; auch hier ist ans Schwimmen nicht zu denken. Das Wasser ist nur unwesentlich wärmer als an den eiskalten Quellen im Nationalpark. Dagegen erfreuen wir uns am Sonnenschein und haben hunderte Meter (zugegeben: felsigen) Inselküstenstrand nur für uns allein. Zurück am Flugplatz lassen wir es uns nicht nehmen und bestellen einen frisch gepressten Orangensaft, sowie einen Salatteller, um den südeuropäischen Flair und auch die Ruhe, die es hier wohl nur außerhalb der Saison gibt, noch einmal zu genießen. Nach vier Stunden machen wir uns wieder auf den Weg zurück und erhalten eine saftige Rechnung: Einmal landen kostet in Losinj 48 Euro. Für den Preis lassen wir uns dann einen tiefen Überflug nicht nehmen.

Auf dem Rückflug entdecken wir den südlich von Pula gelegenen Grasplatz Medulin/Campanoz (LDPM) in unserer Karte und bitten Pula-Tower um eine Genehmigung für einen tiefen Überflug. Die Freigabe wird uns ohne Verzögerung erteilt. Auf den ersten Blick ein ziemlich verlassener Platz; die 725m lange recht ungepflegte Graspiste lädt nicht gerade zur Landung ein. Aber eben nur auf den ersten Blick ziemlich verlassen: Bei „näherem“ Betrachten können wir neben ein paar 172-ern sogar eine King Air ausmachen. Das Fahrwerk dieser Maschine muss wohl ganz schön was aushalten.

 

Abends wagen wir einen Blick aufs Wetter für den nächsten Tag. Südlich der Alpen bringt Westwind ab Mittag schlechtes Wetter. Nördlich von Wien sieht es nicht viel besser aus: Ein direkter Rückflug in Richtung Norden wird uns wohl vergönnt bleiben, da die Wolken spätestens an der Deutsch-tschechischen Grenze aufliegen sollen. Wir hoffen das Beste und planen, so früh wie möglich in Pula loszukommen. Gedanklich haben wir uns jedoch schon auf einen länger als ursprünglich geplanten Aufenthalt in Kroatien, bzw. an einem Flugplatz in Österreich eingestellt und erste Übernachtungsmöglichkeiten geprüft.

 

kroatien11Am nächsten Morgen stehen wir gegen sechs Uhr auf. Wir können nicht weiter als 50 Meter sehen – dichter Seenebel und keine Verbesserungen im TAF bis zum Mittag lassen unsere Hoffnungen heute noch in Berlin anzukommen gen Null schwinden. Wir beschließen, am Flughafen auf besseres Wetter zu warten und werden überrascht: Während das westliche Ende der Piste in dickstem Nebel verschwindet, herrscht in Richtung Westen blauer Himmel so weit das Auge reicht. Wir geben schnell unseren Flugplan auf, melden uns per Fax für die Grenzkontrolle in Wiener Neustadt (LOAN) an und heben ab. Über Slowenien ist es zwar wieder ziemlich diesig, aber bei weitem nicht so schlecht wie vorhergesagt. Übrigens fliegt man in Slowenien bis 10.500 Fuß nach QNH, in Kroatien liegt die Transition Altitude bei 9.500 Fuß und in Österreich seit Ende März bei 10.000 Fuß.

 

 

In Wiener Neustadt haben wir die größte Mühe unsere Maschine bei der Landung auf der Piste zu halten. Es herrscht heftiger und böiger Seitenwind, der uns schon die letzte eineinhalb Stunden über Slowenien durchgeschüttelt hat. Der Funkverkehr auf der FIS-Frequenz sowie am Platz ist „typisch österreichisch“: sehr entspannt und angenehm. Das einzige, das wir von der angemeldeten Grenzkontrolle mitbekommen ist eine „Zollgebühr“ in Höhe von sechs Euro.

Wie erwartet ist ein Weiterflug über Tschechien aufgrund der niedrigen Wolkenuntergrenzen nicht möglich. Wir beschließen dem schlechten Wetter mit einer Zwischenlandung in Straubing EDMS auszuweichen. Kaum in den bayerischen Luftraum angekommen, klart der Himmel auf und wir haben Kaiserwetter. Das ändert sich auch bis zu unserer letzten Landung unserer Kroatien-Reise in Schönhagen nicht.




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